22.02.2016, 18:20 Uhr

Dr. Betina Dürk zur Situation am Poschberg

Ein bisher ungelöstes Problem bei der Energiewende ist die Tatsache, dass es noch keine ausgereifte Technologie für die Speicherung von Strom gibt. Bei Windstille, trübem Wetter oder bei Wasserknappheit auf Grund anhaltender Trockenheit kann nicht völlig ausgeschlossen werden, dass es zu Engpässen bei der Stromversorgung kommt.

 

Eine Möglichkeit zum Gegensteuern sind Pumpspeicherwerke.

 

Durch das Hinaufpumpen des Wassers aus dem Unterbecken zum Oberbecken (Betonwannen mit je 2 Mio Kubikmeter Fassungsvermögen) wird das Wasser gespeichert. Bei Bedarf wird es wieder abgelassen und erzeugt dabei mittels Turbinen und Generatoren elektrischen Strom. Aufgrund des Wirkungsgrades von ca. 80 % über einen Pumpzyklus wird die aufgenommene Energie nur zum Teil wieder an das Netz zurückgegeben. Grundsätzlich wird in jedem Pumpspeicherwerk mehr Strom zum Hochpumpen benötigt, als beim Herunterfließen wieder zurückgewonnen werden kann.

 

Das angedachte PSW Poschberg befindet sich in einer unberührten Bergwelt in der Gemarkung Schneizlreuth. Das Oberbecken müsste mittels Sprengungen in den Berg gebaut werden. Abgesehen von der unwiederbringlichen Zerstörung eines Schutzwaldes und Lebensraums für Birk- und Auerhühner, sind die Belastungen für die Bevölkerung und Kurgäste Reichenhalls gravierend.

 

Die Feinstaubbelastungen durch Sprengungen und der Abtransport des Gesteins auf bereits überlasteten Straßen des Heilbades für Erkrankungen der Atemwege sind ökologisch nicht vertretbar.

 

Die 380kV Stromtrasse erfordert etwa 150 Masten von ca. 80m Höhe, 15 davon würden alleine im Talbecken von Bad Reichenhall aufzustellen sein. Wegen der erforderlichen Sicherheitsabstände müsste eine jeweils 60m breite Schneise entlang dieser Trasse freigehalten werden. Dies stellt ebenso einen massiven Eingriff in die Natur dar.

 

Das geplante Objekt berührt die Alpenzone C. Das beim Bau des Oberbeckens entstehende Georisiko ist nicht abschätzbar.

 

Der Gemeinderat Schneizlreuth hat das Projekt einstimmig, der Stadtrat Bad Reichenhall mehrheitlich abgelehnt.

 

Aus wirtschaftlicher Sicht ist eine Investition, die nur mit erheblichen staatlichen Subventionen (Steuergelder) gebaut und betrieben werden kann, bedenklich.

 

Das PSW Poschberg ist nicht etwa zum Ausgleich von Bedarfsspitzen für Bad Reichenhall geplant, sondern ausschließlich für die Lech-Stahlwerke der Firma Max Aicher, die sich in Meitingen bei Augsburg befinden.

 Umweltzerstörung am Berg, das nicht einschätzbare Georisiko am Berg, massive Eingriffe in die Flusslandschaft des Saalachtals durch Rodungen sowie die Belastung des Heilbades durch Schwerlastverkehr während der mehrjährigen Bauzeit veranlassen uns zu einem klaren NEIN zum PSW Poschberg.

Kategorie: Bad Reichenhall
 

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